Mit diesem Band liegt die erste Ausgabe der Zeitschrift Wissenschaft und Weisheit. Franziskanische Studien zu Theologie, Philosophie und Geschichte vor. Die Zeitschrift ist die Fortführung der bisherigen Zeitschriften Wissenschaft und Weisheit. Zeitschrift für Augustinisch-Franziskanische Theologie und Philosophie und Franziskanische Studien. Damit tritt diese Zeitschrift in die Fußspuren zweier traditionsreicher wissenschaftlicher Zeitschriften der Franziskaner im deutschsprachigen Raum.
Als im April 1934 die Zeitschrift Wissenschaft und Weisheit mit dem Untertitel Vierteljahrsschrift für die systhematische Franziskanische Philosophie und Theologie in der Gegenwart gegründet wurde, umschrieben die Herausgeber Marianus Müller OFM und Thaddaeus Soiron OFM in Heft I des ersten Jahrganges in einem Leitartikel »Zur Einführung« die Zielsetzung der neuen Zeitschrift. »Die vorliegende Zeitschrift will sich der Aufgabe widmen, die Bedeutung der franziskanischen Philosophie und Theologie für die Gegenwart herauszuarbeiten, und will die Anknüpfungspunkte aufzeigen, die sie mit den tiefsten und ernstesten Anliegen des heutigen Denkens verbinden. Sie will darum zunächst nicht eine historische Zeitschrift sein...Die Zeitschrift hat den Titel Wissenschaft und Weisheit gewählt und will damit andeuten, daß ihr Wissenschaft, wie es für die franziskanische Theologie und Philosophie charakteristisch ist, nicht nur eine Angelegenheit des Verstandes, sondern auch des Willens, des Lebens überhaupt ist. Das bedeutet für sie zunächst, daß sie die franziskanische Philosophie und Theologie als Philosophie und Theologie des Lebens fruchtbar machen will, und daß es sich für sie darum nicht um eine reine Reprintisierung früherer Stellungnahmen um jeden Preis handelt, sondern darum, nur das Bleibende ihrer Philosophie und Theologie lebendig zu machen und in der Auseinandersetzung mit der Zeit weiterzuführen. Das bedeutet für sie aber auch, daß sie die franziskanische Philosophie und Theologie in die Gegenwart hineinstellen, und daß sie der Gegenwart ein Tor zur Wahrheit eröffnen will. Veritati et caritati, das ist der Grundsatz, von dem sie sich leiten lassen will.«[ 1 ]
Diesem ursprünglichen Anliegen versuchten die Herausgeber durch alle Jahrgänge treu zu bleiben, so daß Alexander Gerken OFM als Herausgeber anläßlich der Veröffentlichung des 50. Jahrganges schreiben kann: »Es geht darin um eine Darstellung theologischer Wissenschaft, in der diese als Hinführung zur Tat, zur christlich-ethischen Existenz aufgefaßt wird, letztlich als Hinführung zu einer größeren Liebe zu Gott.«[ 2 ] In demselben Artikel wünscht sich A. Gerken im Namen der Herausgeber, »daß sich die junge franziskanische Generation in einigen Jahren dieses Erbes, das die Zeitschrift bedeutet, annimmt und so ihr Anliegen fortsetzt, franziskanisches Denken im Strom der Zeit lebendig und schöpferisch zu erhalten, im Kontakt mit den praktischen Aufgaben, die sich der franziskanischen Bewegung gerade heute wieder stellen. Franziskus von Assisi ist dem Empfinden unserer Zeit sehr nahe. Er bedarf aber, damit wirklich er selbst uns auf den Weg bringt, unter anderem auch der Vermittlung durch die Erkenntnis seiner theologischen Wirkungsgeschichte.«[ 3 ]
Die Zeitschrift Franziskanische Studien geht auf die historischen Bemühungen in der Sächsischen Franziskanerprovinz zu Anfang unseres Jahrhunderts zurück.[ 4 ]
Vorgängerin waren die Beiträge zur Geschichte der Sächsischen Franziskanerprovinz vom Heiligen Kreuze, die in sechs Bänden von 1907 bis 1913 erschienen. Die damaligen Überlegungen führten schließlich zu einer Erweiterung des Konzeptes und zur Gründung der Franziskanischen Studien als Publikationsorgan für Forschungen zur Geschichte des gesamten Franziskanerordens in der Trägerschaft der Sächsischen Provinz.
Der erste Band der neuen Zeitschrift erschien 1914 bei Aschendorff in Münster/ Westf. in der Redaktion des Inspirators Beda Kleinschmidt OFM, dem Ferdinand Doelle OFM zur Seite stand, und enthielt Studien zur Ordens- und Kunstgeschichte, Rezensionen und eine Bibliographie.
Das Impressum auf der dritten Umschlagseite der Hefte in der Fassung der letzten Jahrzehnte erläutert die Intention: »Es ist das Anliegen dieser Zeitschrift, die Geschichte der Franziskanerschule und der drei Orden des heiligen Franziskus zu erforschen und dem Einfluß nachzugehen, den das Franziskanertum jeweils auf seine Zeit ausgeübt hat. Für die Gegenwart stellt sie sich besonders die Aufgabe, philosophische und theologische Fragen im Geiste der Franziskanerschule zu behandeln.«[ 5 ]
Seit 1936 erscheinen die Franziskanischen Studien im Verlag der Franziskus Druckerei und im Dietrich Coelde Verlag in Werl/Westf. (1949- 1951 Münster/Westf.), unterbrochen durch die Lücke der Jahre 1944 bis 1948. Ildefons Vanderheyden, der seit Herbst 1968 der Hauptschriftleiter war, sei auch an dieser Stelle herzlich gedankt. Die Monographienreihe Franziskanische Forschungen, als Reihe der Beihefte begründet, wird auch in Zukunft fortgeführt.
Um nun die Herausgabe einer wissenschaftlichen Zeitschrift der Franziskaner im deutschsprachigen Raum auch in die Zukunft hinein sicherzustellen, haben sich die Leitung der kölnischen Ordensprovinz und der sächsischen Ordensprovinz, sowie die Herausgeber entschlossen, mit dem Jahrgang 1994 eine Fusion der Zeitschrift Wissenschaft und Weisheit mit den Franziskanischen Studien einzugehen.
Die nunmehr fusionierte Zeitschrift will bewußt auf die Tradition der beiden Zeitschriften zurückgreifen und mit den modernen Anliegen der Forschung im franziskanischen Raum verbinden. Deshalb sollen neben den Kernbereichen theologischen, philosophischen und historischen Forschens unter franziskanischer Prämisse auch Studien mit aktuellem Bezug (Theologie der Befreiung, praktische Theologie von Basisgemeinden u.a.) integriert werden. Im Bereich der Philosophie werden nicht nur Arbeiten über die aus dem Mittelalter bekannten franziskanischen Autoren Aufnahme finden, sondern es sollen durchaus auch Querverbindungen zu aktuellen Themen der philosophischen Wissenschaft hergestellt werden. Im historischen Bereich soll sozialgeschichtlichen, bauhistorischen und kunsthistorischen Arbeiten mit franziskanischem Bezug Raum gegeben werden.
Dem internationalen Charakter franziskanischen Lebens entsprechend werden in der Zeitschrift fremdsprachige Arbeiten Aufnahme finden.
Die einzige verbliebene franziskanische Zeitschrift mit wissenschaftlicher Ausrichtung im deutschen Sprachraum möchte so gerade ein Forum werden für Lehrende franziskanischer Hochschulen in aller Welt und darüber hinaus für andere Forscher aus dem universitären Bereich, für die franziskanische Themen von Interesse sind.
Die Herausgeber